Düsseldorfer Arzt gründet den SV Vorwärts Scharrel



Der Scharreler Sportverein zählt zu den ältesten Sportvereinen des norddeutschen Raumes. Der Mediziner Dr. Emil Jünemann hob im Herbst 1923 den zunächst reinen Fußballklub im heutigen Saterland aus der Taufe. Der gebürtige Düsseldorfer und begeisterte Sportsmann, der sich 1922 mit seiner Arztpraxis in Ramsloh angesiedelt hatte, vollbrachte diese bewundernswerte Leistung in einer durchaus schwierigen und schweren Zeit. Das Ende des 1. Weltkrieges lag gerade einmal fünf Jahre zurück und die Region war zudem seit alters her von wirtschaftlichen Problemen geschüttelt. Vielleicht fiel aber auch gerade aus diesen Gründen das Ansinnen Jünemanns auf fruchtbaren Boden. Einerseits war die Sportart des Fußballs auf dem europäischen Kontinent unaufhaltsam auf dem Vormarsch, andererseits wollten die Menschen, allen voran die Jugendlichen, angesichts der Tristesse des Alltags eine Abwechslung. Im Grunde ist es dennoch einem Zufall zu verdanken, dass der erste Fußballklub im Saterland gerade in Scharrel gegründet wurde. Denn in Ramsloh hatte der Arzt, der 1982 im Alter von 92 Jahren starb, einen ersten Versuch zur Schaffung eines Sportvereines gestartet. Doch der war missglückt. Stattdessen fanden sich im benachbarten Scharrel junge Männer, die den Vorstoß zu einem positiven Abschluss brachten. Wie in vielen anderen Vereinen mit einer derart langen Tradition, vor allem in den Dörfern, verlieren sich die meisten Gründungsspuren im dunkeln. Denn die wenigsten Sportler oder Betreuer dachten in jenen Tagen an eine chronologische Begleitung des sportlichen Geschehens. Spiegelreflexkameras waren natürlich auch noch Utopie. Heute kann die Historie deshalb nur noch bruchstückhaft rekonstruiert werden, zumal keine Männer der ersten Stunde noch leben, die in ihren Erinnerungen kramen könnten.

Vielleicht ging es seinerzeit darum, vernünftige Spielflächen zu finden, das Equipment für einen organisierten Sportbetrieb aufzutreiben, sich einer Art Fußballschuh oder Trikot zu organisieren. Das war auch in Scharrel nicht anders, als sich der Saterländer Klub daranmachte, unter dem Begriff Sportverein „Vorwärts“ Scharrel und in den blau-gelben Farben für Furore auf den Fußballfeldern zu sorgen. Doch belegt ist zumindest,, dass die Scharreler Kicker zunächst auf Viehweiden dem Fußballsport und ihren Gegnern nähern mussten. So lagen die Spielfelder beispielsweise in Hollen, Neuwall oder Bätholt, ehe die Schaffung eines Sportgeländes bei Schürmann an der Sagter Ems für den Sportverein quasi einen Quantensprung bedeutete – und da registrierte man bereits den August 1955.

Dennoch war in den drei Jahrzehnten zuvor der Name „Vorwärts“ Scharrel zu einem Begriff in der Fußballszene geworden. Denn Spiele gegen Fußballgiganten wie BW Lohne wurden legendär und lockten hunderte Zuschauer. Noch legendär waren die seinerzeitigen Verhältnisse:
Wenn kein Lastwagen aufzutreiben war, und das war in den meisten Fällen so, schwangen sich die Scharreler Kicker auf die Drahtesel und radelte die zig Kilometer langen Strecken zum gegnerischen Spielfeld. Ein besseres Konditionstraining gab es seinerzeit nicht und gibt es heute wohl auch noch nicht!

Hier ein paar Archivfotos die u.a. von Theo Deddens zur Verfügung gestellt wurden:





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